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BV Büro- und Geschäftshaus Knesebeckstraße 59-61, 10719 Berlin (Generalsanierung)
Umbau und Sanierung eines Bürogebäudes unter Beachtung der Belange des Denkmalschutzes

ERLÄUTERUNGSBERICHT : ... "Knesebeck-Ensemble" in der City West ...

Die Knesebeckstraße verläuft von der Hardenbergstraße über den Savigny-Platz bis zur Lietzenburger Straße. Sie wurde am 07.05.1866 nach dem Freiherrn Karl-Friedrich von Knesebeck benannt. Das 6-geschossige Gebäude Knesebeckstraße 59-60 wurde 1923 nach den Plänen der Architekten Hugo und Otto Schellenberg auf einem H-förmigen Grundriss mit 9 Achsen für die Deutsche Beamtenversicherung errichtet. 1937 wurde das Gebäude nach Norden nach Plänen Architekt Herbert Ruhl um weitere 5 Achsen ebenfalls für die Deutsche Beamtenversicherung erweitert. Die Straßenfassade weist leicht vorspringende zweiachsige Seitenrisalite mit einem zurückliegenden fünfachsigen Mittelfeld auf. Die gesamte Fassade zeigt über dem Sockelbereich eine Kolossalordnung von Pilastern über 4 Geschosse, darüber ist ein Attikageschoss angeordnet. Das Bürogebäude gehört zu den frühen Bauten seiner Baugattung nach dem 1. Weltkrieg mit bedeutender expressionistischer Innenausstattung und ist ein herausragendes Dokument der frühen Moderne in Berlin.

Die Planung und die Ausführung des gesamten Grundausbaus erfolgte in den Jahren 2000 - 2005. Danach erfolgte die Planung und Ausführung aller Mieterausbauten in den Jahren 2006 - 2009.

Das Bauvorhaben wurde von uns in den Leistungsphasen 1 - 8 betreut.

Die Komplettsanierung des Gebäudes wurde erforderlich, um die veraltete Gebäudetechnik unter besonderer Berücksichtigung des Denkmalschutzes und des Brandschutzes auf den heute notwendigen Stand zu bringen. Baukosten 16 Mio. €.

Der Gebäudekomplex mit über 10.000 m² Bruttogeschossfläche besteht aus einem in den Jahren 1923/1924 errichteten Gebäude, Haus Nr. 59/60 und aus dem in den Jahren 1936/1937 erbauten Haus Nr. 61.

Der vorhandene Haupteingang bildet auch weiterhin die zentrale Erschließung, die horizontale Verteilung erfolgt im Hochparterre. Über vorhandene und neu geplante Treppenhäuser und neue Aufzugsanlagen ist die vertikale Erschließung der oberen Geschosse von hier aus möglich. In den Obergeschossen wurden jeweils 2 - 3 Mieteinheiten vorgesehen, im Vorderhaus dienen drei 2-geschossige Mieteinheiten mit direktem Zugang von der Knesebeckstraße der Ladennutzung.

Die Höfe wurden begrünt. Für PKW-Stellplätze wurde eine neue Tiefgarage gebaut. Aus diesem Grund musste der vorhandene Hofkeller des Hauses 61 abgebrochen werden. Die Abfangung des Hinterhauses Nr. 59/60 war notwendig, um die Tiefgaragendurchfahrt zum 2. Hof einzubauen, wo ebenfalls unterirdischer Parkraum geschaffen wurde. Im Zuge dieser Maßnahme entstand ebenfalls eine Durchfahrt zur Tiefgarage des benachbarten Gebäudes Nr. 58.

In Vordergebäude, Mittelgebäude und Hintergebäude gegliedert, besteht das Haus Nr. 59/60 aus Unterge-schoss, Erdgeschoss, 5 Obergeschossen und 1 Dachgeschoss. Dieser Skelettbau mit ca. 15 cm dicken Stahlsteindecken auf Stahlbetonunterzügen ist durch Mauerwerksscheiben ausgesteift. Mauerwerkspfeiler leiten die Lasten im Außenwandbereich ab. Im Gebäudeinneren erfolgt der Lastabtrag über Stahlbetonstüt-zen. Das Dachtragwerk des Gebäudes besteht aus hölzernen Sparren aus Stahlpfetten und Stahlbindern.

Das Haus Nr. 61, aus Vorder- und Hintergebäude bestehend, hat einen Tiefkeller und über dem 2-geschos-sigen Sockel im Vorderhaus 4 und im Hinterhaus 3 Obergeschosse sowie jeweils 1 Dachgeschoss.
Die 8 - 10 cm dicken Geschossdecken bestehen aus Stoltezementdielen. Die Lasten werden über eine Stahlkonstruktion mit Stahlstützen im Inneren des Gebäudes und über gemauerte Außenwandpfeiler abge-leitet, Mauerwerkswände steifen das Gebäude aus. Das Dachtragwerk entspricht, bis auf die hölzernen Pfetten, der Konstruktion des Hauses Nr. 59/60.

Beide Häuser waren flach auf Einzel- und Streifenfundamenten gegründet. Alle vorhandenen Fundamente wurden mit HDI um fast einen Meter tiefer geführt.

Alle Gebäudeteile wurden im Innenbereich vollständig entkernt, d.h. bis auf den alten Rohbau zurückgeführt (Abriss Wände, Rabitzdeckenverkleidungen, Haustechnik etc.). 5 neue Aufzüge und 3 neue Treppenhäuser wurden aufgebaut. Deckenöffnungen wurden wieder geschlossen. Für den Ladeneinbau im Vorderhaus wurde die ehemalige Decke des Untergeschosses (+ 1,93 m) abgebrochen und bei + 0,2 m neu eingebaut, um somit eine lichte Höhe von 5,70 m herzustellen.

Im gesamten Gebäude wurden neue Holzfenster eingebaut. Alle Fassaden wurden in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege saniert.

Eine kleine Geschichte zum Projekt am Rande:

Als wir im hinteren Bereich die neue Tiefgarage ausschachten wollten, kam ein ca. 10 m langer, 4 m breiter und 4 m hoher Betonklotz zum Vorschein. Wie sich herausgestellt hatte, handelte es sich dabei um einen Restbeton, der beim Bau des Bunkers zum Kudamm-Karree in den 70er Jahren wohl übrig geblieben ist und einfach auf dem Nachbargrundstück abgekippt wurde. Uns blieb keine andere Wahl, als die einzige in Deutschland vorrätige Spezialmaschine aus Hamburg nach Berlin zu holen. Diese riesige Betonfräse brauchte 14 Tage, um den Bunkerbeton-Klotz zu zermahlen.

Fotos und Details zum Projekt

OPPERTSCHNEE - PROJEKTPARTNER GmbH - Friedbergstraße 12 - 14057 Berlin - Telefon: 030/315 924 0 - info@oppert-schnee.de