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BV Sanierung DeutschlandRadio Berlin, ehemals Rias-Funkhaus
Hans-Rosenthal-Platz 1/Fritz-Elsas-Straße 7-8/Mettestraße 9-10, Berlin Schöneberg

ERLÄUTERUNGSBERICHT : ... RIAS - "eine freie Stimme der freien Welt" ...

Der RIAS (Abkürzung für Rundfunk im amerikanischen Sektor) war eine Rundfunkanstalt mit Sitz im West-Berliner Bezirk Schöneberg, die nach dem 2. Weltkrieg von der US-amerikanischen Militärverwaltung gegründet wurde und von 1946 bis 1993 zwei Hörfunkprogramme und von 1988 bis 1992 ein Fernsehprogramm ausstrahlte. Von Beginn an war der Rias mit seiner Programmgestaltung innovativ und wirkte als Vorbild für die West-Deutsche Rundfunkszene. Die Programme des Senders standen unter dem selbst gewählten Motto "eine freie Stimme der freien Welt". Vom 24. Oktober 1950 an wurde jeden Sonntag um 12.00 Uhr das Läuten der Berliner Freiheitsglocke vom Schöneberger Rathaus übertragen, gefolgt vom Verlesen des "Freiheitsgelöbnisses".

Das Bauvorhaben DeutschlandRadio Berlin wurde von uns in den Jahren 1996 - 2004 betreut. Die bedeutsame und abschnittsweise Sanierung des Gebäudes wurde erforderlich, um die veraltete Gebäudetechnik unter besonderer Berücksichtigung des Denkmalschutzes und des Brandschutzes auf den heute notwendigen Stand zu bringen. Ebenso wurde von uns die unter Denkmalschutz stehende Fassade vollständig saniert.

Bei dem Gebäudekomplex handelt es sich um insgesamt 14.000 m² Bruttogeschossfläche.

Die Baukosten betrugen 9 Mio €.

Das Bauvorhaben wurde von uns in den Leistungsphasen 1 - 8 betreut.

Das ehemalige Verwaltungsgebäude an der Kufsteiner Straße 69, das spätere RIAS - und heutige DeutschlandRadio - Funkhaus, ist 1938 bis 1941 nach den Plänen des Architekten Walter Borchardt (1887 bis 1948) für die Bayerischen Stickstoffwerke AG erbaut worden. Im Juni 1938 wurde mit dem Bau des Bürogebäudes begonnen. Am 03.07.1939 erfolgte die Rohbauabnahme. Nach dem Beginn des 2. Weltkrieges wurde am 07.05.1940 trotz des allgemeinen Bauverbots der Weiterbau vom "Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt" genehmigt, weil das damalige Berliner Verwaltungsgebäude der Bayerischen Stickstoffwerke AG vom Reichsinnenministerium reklamiert wurde. Am 29. April 1941 erfolgte die Gebrauchsabnahme.

Deutschlandradio
Das Gebäude des Deutschlandradio am Hans-Rosenthal-Platz 1 in Berlin

Nach der Deutschen Kapitulation wurde im Sommer 1945 das gesamte Konzernvermögen der IG Farben durch die Alliierten beschlagnahmt, auch das Gebäude der Bayerischen Stickstoffwerke in Berlin gelangte in alliierte Verfügungsgewalt.

Die US-Militärregierung in Berlin gründete am 07.02.1946 den "Drahtfunk" im amerikanischen Sektor. Das Gebäude war nur teilweise durch Bomben beschädigt und rasch wieder instand gesetzt und für die Zwecke eines Funkhauses umgebaut worden. Der RIAS eröffnete am 06.06.1948 das neue Funkhaus und nutzte den Bau bis Ende 1993. Seit dem 01. Januar 1994 dient das Gebäude dem DeutschlandRadio Berlin als Nachfolger von RIAS und Deutschlandfunk als Funkhaus.

Das 5-geschossige Bürogebäude erhebt sich auf einem symmetrischen, winkelförmigen Grundriss mit gerundeter Ecke auf einem Viertelkreis (Radius 32 50 m) an der Ecke Fritz-Elsas-Straße - Mettestraße am Rudolf-Wilde-Park in städtebaulich exponierter Lage. Die beiden Flügel des Gebäudes stehen allerdings nicht genau im rechten Winkel zueinander, sondern in einem spitzen Winkel von 80°. Die Mittelachse des Gebäudes ist nach Westen in die Straße Am Volkspark gerichtet.

Das Gebäude ist in Mischbauweise mit einer Stahlbetonskelettkonstruktion im Innenraum und tragenden Außenmauern mit einer Tiefe von 15 m erbaut worden. Erschlossen wird das Gebäude in der Mittelachse der runden Ecke über eine zweiarmige Freitreppe durch ein klassizistisches Werksteinportal mit gerader Verdachung durch das man in einen Vorraum und von diesem in das Hauptfoyer gelangt. Von dort aus erschließt eine geschwungene Treppe auf elliptischem Grundriss mit ovalem Treppenauge die Obergeschosse. Die Straßenfassade ist in klassischer Form 3-zonig aufgebaut. Sie besteht aus dem niedrigen Naturwerksteinsockel des Souterrains mit einem abschließenden Gesims und aus den 4 glatt verputzten Hauptgeschossen mit einem Grundgesims und aus dem Attikageschoss.

Die erhaltene Innenausstattung aus der Entstehungszeit des Gebäudes ist gestalterisch den Formen der gemäßigten Moderne der 20er Jahre angelehnt. Die Fenster zeigen die für die 30ger Jahre typische Anordnung des Kämpfers in halber Höhe. Die Türen weisen eine Frieskonstruktion mit mehrteiliger Füllung auf. Die vorspringenden Türgewände entlang der Flure sind aus starken Naturwerksteinplatten gefertigt. Die verglasten Holztüren zwischen Treppenhaus und Flur zeigen eine horizontale Sprossengliederung, wie in den 20ger Jahren üblich. Die Treppengeländer sind als schmiedeeisernes Stabgelände ausgebildet. Der Handlauf besteht aus Aluminiumblech auf Eisen. Die Fußböden zeigen im Treppenhaus und Flur einen quadratischen Plattenbelag aus Werkstein. In einigen Räumen haben sich Polsterbänke aus der Entstehungszeit erhalten, die reiches historisierendes Schnitzwerk zeigen.

Das Interesse der Allgemeinheit an der Erhaltung des ehemaligen Verwaltungsgebäudes der Bayerischen Stickstoffwerke bzw. des späteren RIAS-Funkhauses ergibt sich vor allem aus der herausragenden geschichtlichen Bedeutung des Gebäudes in Verbindung mit seiner wissenschaftlichen, künstlerischen und städtebaulichen Bedeutung. Ein großer Kreis von Sachverständigen hat die Bedeutung und den besonderen Denkmalwert des Gebäudes bestätigt.

Für unser Büro war es eine besonderer Anspruch und auch eine besondere Ehre im DeutschlandRadio arbeiten zu dürfen. Eine besondere Herausforderung war auch jeweils der Rückbau der alten analogen Studios und Neueinbau digitaler Studios in Raum in Raum-Konstruktion.

Fotos und Details zum Projekt

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